Heimatkundliche Wanderung der Trachtler
Jugendleiter erleben Geologie und Heimatkunde in Kropfmühl.
Wie jedes Jahr treffen sich die Jugendleiter der Trachten- und Heimatvereine aus dem Bezirk
4 zum Wandern in der engeren Heimat. Für dieses Jahr wurde das Graphitbergwerk in
Kropfmühl gewählt. Als einziges Bergwerk in Deutschland in dem Graphit gefördert wird,
ist das Besucherbergwerk allemal eine Besichtigung wert. Graphit aus Kropfmühl, aus der
Kohlenstoffaufnahme von Grün- und Blaualgen vor rund 600 Millionen Jahren entstanden,
wurde bereits in der Keltenzeit verwendet. Ein kleiner Vergleich - die Alpen wurden erst vor
65 Millionen Jahren aufgefaltet. Keramikscherben aus der Keltenzeit mit Graphitanteilen aus
Kropfmühl werden in ganz Süddeutschland gefunden. Heute ist dieses Mineral hochmodern
beim Einsatz als Dämmstoff, in Elektromotoren, bei der Entwicklung von Speichermodulen
für Strom, sogar Diamanten werden aus Graphit hergestellt. Aber auch die Bleistiftmine wird
weiterhin aus Graphit sein.
In einem kurzen Film erzählen erfahrene Bergleute aus Ihrem Leben im Berg. Historische
Fotos und Filme zeigen den Abbau durch Bohren und Sprengen, das aufnehmen und
Transportieren mit druckluftbetriebenen Ladegeräten. Man erfährt vom Trennen von taubem
Gestein und dem Flocken und erhitzen des Graphits bis zu einer Reinheit von 99,9 %.
Nach der filmischen Darstellung geht´s zur Umkleide. Die Besucher werden mit Schutzhelm
und Umhang ausgestattet. In den Berg „einfahren“ heißt jetzt, die Grube zu Fuß zu
durchwandern. Mit dem erfahrenen Bergmann geht´s bis zur 4. Sohle in eine „Teufe“ von
rund 45 Meter. Im „Hangenden“ sieht man hauptsächlich Gneis, aber auch Granit und sogar
Marmor ist zu sehen. Wir erfahren das hier die Bergleute, die Steiger, Hauer und Schlepper
rund 100 Kilometer Stollen in den Berg getrieben haben. Wir erfahren vom Verbau mit
taubem Gestein, von der Grubensicherung mit „Stempel“ aus Holz. Holzstempel sind dem
Bergmann lieber- Holz spricht, wenn sich der Berg bewegt. Die Belüftung (Bewetterung)
der Grube erfolgt über zwei Schächte, die wie Kamine funktionieren. Während im Moment
Rohstoffe aus firmeneigenen Gruben in China, Simbabwe, Sri Lanka und jetzt auch aus
Namibia in Kropfmühl veredelt werden, geht man wieder über, Graphit aus der Kropfmühler
Mine zu fördern. Die Lagerstättenerkundung hat ergeben, dass noch Jahrzehnte Graphit
abgebaut werden kann. Wieder an der Erdoberfläche wurde auch noch der Graphitlehrpfad
im Aubachtal erwandert. Schautafeln zeigen die Falten und Verwerfungen der Gesteine und
die Kohlenstoffeinlagerung bis zum Donauabbruch. Bis zur Wastlmühle auf Hauzenberg
Stadtgebiet, eine kurze Strecke auf der ehemaligen Distrikitstraße von Untergriesbach
nach Waldkirchen. Waldkirchen ist übrigens nach diesem Straßenverlauf angeordnet. Auf
Untergriesbacher Gemeindegebiet geht’s zurück nach Kropfmühl und dann zum Furthweiher
zur verdienten Einkehr.